Der Preis ist heiss

Seit Jahren war die Gelegenheit nicht mehr so gut wie heute, Preise zu erhöhen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Es gibt verschiedene Gründe, wieso man eine Preiserhöhung annehmen sollte. Gibt es auch gute Gründe, weshalb man das nicht tun sollte? Welche Faktoren beeinflussen den Preis? Preise sind ein sensibles Thema. Wir alle wissen das und erleben es ständig im Tagesgeschäft. Preiserhöhungen ergeben sich vor allem aufgrund von Entwicklungen, die wir in keiner Weise beeinflussen können und die alle Marktteilnehmer gleichzeitig betreffen. Die aktuelle Preissituation wird durch die zentralen Bereiche Logistik, Energie und Rohstoffe beeinflusst.
Die Infrastruktur wird immer stärker belastet. Daher kommt es zu mehr Stau durch mangelhaften Zustand der Strassen, viele Baustellen und hohes Verkehrsaufkommen. Neben den Logistikkosten beeinflussen vor allem die steigenden Energiekosten das Preisniveau. Die Kosten für Rohöl pro Barrel der Sorte Brent sind binnen eines Jahres um fast 30 % gestiegen. Deutliche Preissteigerungen bei Rohstoffen, Material und Dienstleistungen gibt es auf breiter Front über alle Beschaffungsfelder hinweg, u.a. bei Stahl, Karton, Kraftsackpapier, Füllstoffen, Additiven und Zuschlagstoffen.
Bei den natürlichen Rohstoffen, wie Sand, Kies und Kalkstein zeichnen sich mittel- und langfristig Versorgungsengpässe ab. Die Genehmigung der Erschliessung neuer, aber auch die Erweiterung bestehender Gruben wird immer schwieriger und durch Umwelt- und Rekultivierungsauflagen deutlich teurer. Hinzu kommt, dass die Genehmigungsprozesse immer langwieriger werden und so mögliche Engpässe verschärfen. Der Ethylenpreis, ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung vieler Produkte in der Bauchemie, ist seit anfangs 2016 um 42 % gestiegen. Für 2019 rechnen wir mit einer weiteren Steigerung von 15%.
Speziell in unserer Branche verkaufen wir nicht Produkte, welche fixfertig vom Endkunden so eingesetzt werden. Wir fertigen Produkte und unterstützen unsere Kunden mit unseren Dienstleistungen, damit diese selber eigene Serviceangebote und Zwischenprodukte erstellen können. Oft höre ich: «Der Kunde ist gar nicht bereit, mehr für diese Qualität zu bezahlen!». Die Produkte und Servicedienstleistungen in der Baubranche sind oft schwer zu vergleichen. Ich bekomme für mehr Geld nicht einfach mehr Menge oder bessere Qualität. Manchmal erhalte ich auch weniger Ausschuss, mehr Sicherheit oder mehr Geschwindigkeit. Wie kann ich hier überhaupt vergleichen? Dazu braucht es Erfahrung. Ich brauche gut ausgebildete Mitarbeitende, die ihre unternehmerische Verantwortung wahrnehmen, das Beste für mein Unternehmen herauszuholen. Wie erreiche ich das? Indem ich Berufsstolz fördere. Indem ich meinen Mitarbeitenden zeige, dass sie wertvoll und selbstständig sind. Indem ich sie wertschätze. Berufsstolz und Wertschätzung sind hier für mich die Schlüsselbegriffe, der Schlüssel zum Erfolg. Dazu muss ich diese Werte vorleben und meine Mitarbeitenden «empowern». Eine solide Ausbildung, eine Berufslehre, gute Werkzeuge und gute Produkte kosten viel Geld. Aber nur mündige und professionelle Mitarbeitende können einschätzen, wo die vorhandenen Mittel voll zum Einsatz kommen. Auch bei meinen Lieferanten und Partnern brauche ich solche Mitarbeitenden, die mich in meiner Wertschöpfung nachhaltig unterstützen können.
Wenn Sie sich in diesen Tagen, zum Jahresende oder anfangs 2019, an den Verhandlungstisch setzen werden, egal auf welcher Seite. Denken sie daran, welche Wertschätzung ihnen wichtig ist. Denken sie daran, ob Ihnen ein gesunder Berufsstolz etwas wert ist. Kämpfen Sie dafür, dass Sie und der Geschäftspartner auf der anderen Seite sich den nötigen Berufsstolz aus gutem Grund auch in Zukunft noch leisten können.

– Gastkolumne von Timur Rönnert, Head of Construction Chemicals BASF und Mitglied Lenkungsausschuss Betonsuisse